Chicken schicken nach Afrika

Hühnerbrust und Chicken wings – wer isst den Rest ?

Mit 25 Personen durchaus gut besucht war am Mittwochabend eine Informations-veranstaltung, zu der Weltladen Neu-Isenburg e.V., Arbeitskreis „Frieden und Demokratie“ und die Initiative „Iseborjer Kinno“ in das Cineplace eingeladen hatten.

Während der Woche der Toleranz wollten die Besucher gemeinsam „über den eigenen Tellerrand“ hinausschauen – und das war nicht nur sinnbildlich zu verstehen. Denn eingeladen war an diesem Abend Francisco Mari, der Projektkoordinator beim Evang. Entwicklungsdienst ist und zusammen mit Rudolf Buntzel ein Buch zum Thema „Das globale Huhn – Chicken schicken nach Afrika“ herausgegeben hat. Seine umfangreichen Erfahrungen aus der Entwicklungsarbeit in Kamerun wurden durch den Film „Hühner-wahnsinn“ von Marcello Faraggi ergänzt.


Am Beispiel von wahrlich globalen Hühnern zeigten sie eindrücklich, wie einheimische landwirtschaftliche Bereiche durch Billig-Importe aus Europa, und in diesem Fall, auch aus Brasilien, zerstört werden. Sind beispielsweise die deutschen Konsumenten auf das Fleisch der Hühnerbrust konzentriert, werden die anderen Hühnerteile tiefgekühlt exportiert – die Hühnerschenkel nach Afrika, die Flügel und Köpfe nach Asien.

Die einheimischen Kleinbauern sind gegen die billigeren Importe nicht konkurrenzfähig; die mit Entwicklungsgeldern erreichte „Hilfe zur Selbsthilfe“ und Arbeitsplätze in der Weiterverarbeitung gehen verloren – auch in anderen Lebensbereichen als Konsequenz der Weltmarktöffnung mit ungleichen Partnern. So überschwemmt gerade jetzt EU-subventionierte Milch die afrikanischen Märkte, die vorher mit Entwicklungshilfegeldern mühsam aufgebaut wurden. Oder gespendete Kleider landen als Billigimport auf den Märkten der Armen und zerstören die einheimische Textilindustrie.
Im Falle unserer globalen Hühner kommen noch Krankheiten der Menschen hinzu, weil die Kühlketten und hygienischen Bedingungen für das eingefrorene Fleisch nicht ausreichen.
Die Folgen der Globalisierung haben die ärmsten Länder zu tragen – insbesonders in Afrika. Neben politischen Ansätzen und Lobbyarbeit von Nicht-Regierungsorganisationen in Europa und z. B. Kleinproduzenten aus Kamerun zur EU-Politik hilft dagegen manch-mal auch ein konsequentes Verhalten von uns selbst als europäische Konsumenten.